Ölseparationsanlage

Zwischen der Umweltbehörde Hamburg und der Feuerwehr Hamburg wurde ein Vertrag über Betrieb, Unterhaltung und Einsatz einer Separationsanlage für die Ölschadensbekämpfung (Sepcon) geschlossen.

Die Anlage wurde von den Küstenländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen und Hamburg finanziert und der Umweltbehörde Hamburg treuhänderisch übergeben. Das Einsatzgebiet erstreckt sich auf die vorgenannten Länder.

Der Sepcon 01 ist bei den Freiwilligen Feuerwehren Warwisch und Fünfhausen untergebracht und wird von diesen Wehren betrieben.

Im Schadensfall arbeiten Bundes- und Landesbehörden eng zusammen. Die Unfallbekämpfung wird koordiniert von:

- dem “Zentralen Meldekopf (ZMK)” im Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven, der rund um die Uhr besetzt ist und Meldungen im nationalen und internationalen Bereich entgegennimmt und weiterleitet;
- der gemeinsamen “Einsatzleitgruppe (ELG)“, die aus je einem Beauftragten des Bundes und der Küstenländer zusammengesetzt ist und über die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung von Verschmutzungen entscheidet, sofern die Auswirkungen dieser Unfälle bestimmte Kriterien überschreiten;
- der Sonderstelle des Bundes (SBM) und der Sonderstelle der Küstenländer (SLM), die zur Unterstützung der Einsatzleitgruppe mitarbeiten.

Die Durchführung der Maßnahmen obliegt den zuständigen Behörden des Bundes und der Küstenländer.

In Hamburg werden Schadensmeldungen mit umweltgefährdenden Stoffen von den unterschiedlichen Behörden (z.B. Polizei, Feuerwehr) an die Rufbereitschaft der Umweltbehörde Hamburg weitergeleitet. Sie entscheidet über die weiteren Maßnahmen.

Die Alarmierung des Sepcon 01 erfolgt über die Einsatzzentrale der Feuerwehr Hamburg.

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ELG-Fall-Kriterien

Die Frage, ob eine Verschmutzung im Sinne der Bund/Küstenländer-Vereinbarung vorliegt, ist von der Einsatzleitgruppe (ELG) nach den vorliegenden Umständen und Bedingungen zu entscheiden. Insbesondere sind die Art und Menge des ausgelaufenen Schadstoffes sowie die Größe und Schutzwürdigkeit des durch die Verschmutzung gefährdeten Gebietes zu berücksichtigen.

Ein ELG-Fall liegt vor, wenn einer der nachfolgend genannten Richtwerte überschritten oder ein genanntes Gebiet erheblich gefährdet ist:

- Freier Seeraum (seeseitig der 10-m-Tiefenlinie) etwa 50 m³ Öl,
- Ufer- und Küstensaum (landseitig der 10-m-Tiefenlinie) etwa 10 m³ Öl,
- Seeschifffahrtsstraßen (soweit nicht 1. oder 2.) etwa 5 m³ Öl,
- Ufer-/Böschungslänge: 3 km mit erheblichem Bedeckungsgrad im Flutsaumbereich,
- sensible Gebiete, wie Seehunds-, Muschelbänke, Rast-, Brut- und Nistplätze, Nationalparks, Naturschutz- und Fremdenverkehrsgebiete.

Bei anderen Schadstoffen als Öl wird die ELG tätig, wenn eine nachhaltige Schädigung der Gewässer, Ufer und Strände im Geltungsbereich eingetreten oder zu besorgen ist.

Wie den bisherigen Ausführungen zu entnehmen ist, ist der Einsatz des SEPCON auf Großschäden ausgelegt. Hierbei muss ein großes Einsatzgebiet abgedeckt und in der Regel mit mehrtägigen Einsatzzeiten gerechnet werden.

Einsatzgrundlagen

Die SEPCON-Anlage muss innerhalb 2 Stunden transportbereit und vor Ort innerhalb von 3 Stunden betriebsbereit sein.

Die Anlage wird in 3 Schichten im 24-Stunden-Betrieb gefahren, wobei die Nachtschicht in der Regel für die Wartung genutzt werden soll. Das Einsatzpersonal umfasst folgende Stärke: 1/2/2/16 (21 Feuerwehrleute).

Skimmer und Powerpack werden selbst mitgeführt. Zusätzliches Schlauchmaterial für die Aufstellung der Anlage in größerer Entfernung (300 m) zum Schadensort ist vorhanden.

Fahrzeuge und Gerät

An Fahrzeugen und Gerät rücken in der derzeitigen Ausbaustufe der Anlage aus:

1 Einsatzleitwagen
1 Gerätewagen Rüstausstattung mit Anlage SEPCON 01
1 Löschfahrzeug mit Zubehör-Anhänger
1 Gerätekraftwagen mit 3-t-Gabelstapler und Zubehör auf Tieflade-Anhänger
1 LF 16/12 (FF Fünfhausen) für die Zumischung von Wasser (Trägermedium für die zu separierenden Flüssigkeiten) und des Betriebes der Dusch- und Reinigungseinheit
1 Schlauchwagen SW 2000 für die Wasserversorgung bei langen Wegstrecken

Die einzelnen Komponenten können auch unabhängig voneinander eingesetzt werden.

Der Einsatzleitwagen wird von Führungskräften der Freiwilligen Feuerwehr besetzt. Die Dekon-LKW-P transportieren zusätzliches Equipment und Personal.

Der Anhänger SEPCON 01 hat ein Transportgewicht von ca. 18.000 kg. Die Gesamtlänge beträgt ca. 11 m, die Höhe bei Fahrt 3,85 m, im Betrieb 6,50 m.

Die Separationseinheit befindet sich in einem 20-ft-Container (Gewicht: ca. 10.000 kg). Weiteres Ölbekämpfungsgerät wie Pumpen, Steuereinheit (sog. Amme), Hydraulik- (DN 40) und Cargo-Schläuche (DN 100) mit Tankwagenanschlüssen usw. befinden sich im Stauraum vor dem Container. Die Hydraulikschläuche für den Betrieb der Pumpen haben eine Länge von 30 m. Aufgrund des Gewichtes sind für einige der Hydraulikschläuche bis zu 6 Personen für den Transport erforderlich.

Pumpen und Zubehör werden mittels eines Bordkranes ab- bzw. aufgeladen. Zur Erleichterung des Transportes an der Einsatzstelle dient ein speziell entwickelter 3-to-Gabelstapler mit Allradantrieb.

An Betriebsstoffen befinden sich in den Tanks: 450 l Dieselkraftstoff sowie ca. 750 l Hydrauliköl. Als Reservekraftstoff werden 200 l Diesel in Kanistern mitgeführt. Mit der Kraftstoffmenge ist ein 24-Stunden-Betrieb gewährleistet.

Die elektrische Energie wird von einem eingebauten 8,8 kVA-Wechselstromgenerator erzeugt.

Das LF 24-19 TH wird als Zug- und Mannschaftstransportfahrzeug eingesetzt. Es ist u.a. mit Seilwinde, 1.900-l-Wasser- und 100-l-Schaummitteltank ausgestattet. Darüber hinaus werden überwiegend Gerätschaften der Technischen Hilfe mitgeführt.

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Betrieb

Der Betrieb der Anlage erfolgt vollautomatisch und wird SPS-gesteuert (Speicher programmierte Steuerung).

Die Anlage kann in den Temperaturbereichen Wasser: 0º C bis 30º C und Luft -5º C bis 40º C eingesetzt werden. Bei einem mittleren Öl-/Wassergemisch-Durchsatz des SEPCON von 40 m³/h (bis 80 m³/h steigerbar) liegen die Separationswerte (ermittelt nach DIN 1999, Teil 3) bei:

- Restwasser im Öl 1-3 %,
- Restöl im Wasser < 15 ppm,
- Abwasser-Reinheit > 99,999 %.

Beliebige Öl-/Wassergemische oder ölkontaminierte Abwässer werden im SEPCON rein mechanisch im direkten Durchfluss-Verfahren getrennt – also ohne Verweilzeiten und ohne Zusatz von Chemikalien. Genutzt werden dabei eine Reihe von physikalischen Effekten wie Gravitation in laminarer Strömung, Koaleszenz an oleophilem Material, Vakuum-Einflüsse usw. Die Anlage kann jedoch keine stabilen Emulsionen brechen und leichte, instabile Emulsionen nur in beschränktem Maße separieren.

Je nach Ölart und Konzentration wird die Emulsion meist mit auf der Ölseite abgepumpt. Chemische Zusätze im Öl oder im Wasser können die Separationsqualität negativ beeinträchtigen, insbesondere Tenside, Additive und andere Waschzusätze.

Im Zubehör-Anhänger, Gewicht 8.000 kg, Länge ca. 7,70m, befinden sich neben Hydraulik- und Cargo-Schläuchen die Segmente für 3 Schnellmontage-Behälter. Einer der Behälter hat ein Fassungsvermögen von ca. 70 m³ und dient als sog. Vorhaltebehälter, aus dem der SEPCON gespeist wird. In die beiden anderen Behälter à 30 m³ wird vom SEPCON mittels eingebauter interner Pumpen das separierte Medium eingeleitet. Von dort erfolgt die Entsorgung durch Tankwagen.